Deutschlands Gedenke

Keine 5 Minuten Frühnachrichten können einen überzeugen, dass das deutsche Gedenkwesen total bescheuert ist
Zu erst einmal eine kurze Erklärung: Bei dem deutschen Gedenkwesen handelt es sich in der Regel um das Aufsagen von leeren Phrasen. Führende Wissenschaftler sind sich nicht einig ob die deutsche Gedenkkultur zu der deutschen Moralkultur, dessen Hauptbewegungen die Waldsterben-Bewegung, die Antiatomkraft-Bewegung [ Anm. der Redaktion: gemeint ist die Antikernenergie-Bewegung], die Anti-Fortschritts-Bewegung und die Friedensbewegung sind, gehört oder ob die deutsche Moralkultur zur Gedenkkultur gehört.
Da eigentlich nur Phrasen aufgesagt werden, verwundert es nicht, dass es so zu einigen Versprechern und missverständlichen Formulierungen kommt. Der Klassiker dieser Versprecher ist wohl: „Einige Länder beneiden uns um diese Gedenkstätte.“

Im heutigen Frühfernsehen wurde sinngemäß gesagt, dass man an den Terroranschlag, der olympischen Spiele 1972 gedenken würde. Warum will man sich immer mal wieder an die Morde erinnern, warum nicht an die Toten?
Ein bisschen später kam der nächste Stumpfsinn. Eine Spielplatz in einer befreiten Zone in Syrien wird gezeigt. Des Spielplatz besteht aus einem kaputten Panzer und einem großen Haufen Geröll. Der Kommentar zu den Bildern war: „Dieser Spielplatz sollte uns ein Mahnmal sein.“ Ein Mahnmal für wofür soll es uns sein? Dafür, dass man sich nicht mit einem Diktator anlegen soll? Soll man sich einem Diktator unterwerfen? Warum muss man aus allem möglichen ein Mahnmal machen? Und wie soll uns ein Mahnmal eine Hilfe sein? Eigentlich lehrt es uns nur eine Sache: Wenn ein Diktator oder eine Mörderbande dich auf die Abschussliste setzt, nimm die Beine in die Hand.

Einen Verbesserungsvorschlag für die Moralkultur habe ich dennoch. Es fehlt uns an der Professionalität. Es wird auch zu viel von unseren Politikern verlangt, wenn sie auf den Punkt Trauer empfinden müssen. Das geht einfach nicht. Wir sollten deswegen professionelle Gedenkredner einstellen, die für uns zu allen möglichen Gedenkfeiern, Reden halten.

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3 Gedanken zu „Deutschlands Gedenke

  1. Baer natürlich, ich selbst habe diesen „Gedenk“-Gedanken zuletzt am 20.Juli gehabt als ich mich fragte, was dieser ganze von Stauffenberg-Schwachsinn eigentlich soll. Ich meine seinen Versuch in allen Ehren, sein Mut, alles super – aber er ist gescheitert, irgendwie haben er und seine Klicke es nicht gebacken bekommen. Und das wo die Bombe ja schon quasi direkt bei Hitler stand. An sowas will ich aber kein Gedenken verschwenden, denn wenn der 20.Juli ein tolles Beispiel für etwas ist, dann doch wohl dafür, wie mies etwas schiefgehen kann. Wir sollten uns besser an Helden erinnern, aber Leute die erfolgreich waren und evtl noch leben, tja, die mögen wir nicht so. Wir gedenken immer nur gescheiterten Losern.
    Will zwar nicht „Crossmarketing“ betreiben, aber mein Pendant zu deinem Text wurde ein Dialog und sah so aus, bei Interesse:

    http://davidwonschewski.wordpress.com/2012/08/01/dialoge-des-grauens-kill-your-idols/

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