Die islamische Demokratie oder Erdogan hat Größenwahn

Erdogan hat vor Kurzem mal wieder eine Großveranstaltung abgegeben. Als Gast, der einzige anwesende Europäer, war unser Gas-Gerd anwesend.
Das Ganze war natürlich mal wieder eine Propaganda-Show für den einfachen Islam-Indoktrinierten, der sich auch über ein paar nationalistische und größenwahnsinnige Einwürfe erfreut. Man könnte jetzt über jede extremistische Äußerung herziehen, doch der Größenwahn Erdogans ist mir keine Zeile wert. Stattdessen möchte ich über die islamische Diktatur schreiben. Erdogan hat nämlich die islamische Demokratie als Staatskonzept für die arabischen/islamische Ländern vorgeschlagen. Viele Kommentatoren würden diesem Modell zustimmen, da sie der Auffassung sind, dass in den arabischen Ländern keine Demokratien nach dem westlichen Strickmuster entstehen werden.
Doch was genau ist eine islamische Demokratie? Wie verhält sie sich mit der Gleichberechtigung der Bürger oder der Religionsfreiheit? Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer liberalen Demokratie und einer von der Religion bestimmten Demokratie. In einer von der Religion bestimmten Demokratie, bestimmt der Staat, das die Staatsreligion besser zu behandeln ist als die andere Religionen. Ein Angehöriger einer religiösen Minderheit ist Bürger zweiter Klasse, Wenn nicht sogar eine unerwünschte Person, die die Religiosität der Mehrheit beeinträchtigt. Besonders schlecht würde es den Atheisten ergehen, da sie die Staatsreligion anzweifeln. In einer islamischen Demokratie werden die Minderheiten nicht vor der Willkür der Mehrheit geschützt, wie es eine liberale Demokratie bewältigt.
Es ist somit kaum verwunderlich, dass in der Türkei religiöse Minderheiten von dem Staat diskriminiert und unterdrückt werden. Auch die Pressefreiheit ist unter Erdogan beschnitten. Es sitzen in keinem anderen Land so viele Journalisten in dem Gefängnis.
Erdogan möchte die islamische Demokratie nicht nur in der arabischen Welt einführen, sondern auch in Europa. Shazes Placebos lehnt die islamische Demokratie ab, da der Autor dieser Zeilen, als Agnostiker höchsten ein Mensch dritter Klasse ( das ist noch über der Klasse der Atheisten und Satanisten ) wäre.
Trotz allem befürworte ich eine islamische Demokratie in der islamischen Welt, da sie eine Verbesserung zur der jetzigen Situation führen würde. Außerdem ist eine islamische Demokratie nur eine Übergangsform zu einer liberalen Demokratie nach westlichem Vorbild. Warum? Nehmen wir uns wieder Erdogan als Beispiel. Er ist bemüht in seinem Land den Lebensstandart zu verbessern und schafft dies wahrscheinlich besser als es eine Diktatur je schaffen könnte. Dies macht er indem er die Wirtschaft liberalisiert. Somit steigt das Einkommen der Bevölkerung. Um einen noch höheren Lebensstandart zu erreichen, muss die Bevölkerung besser ausgebildet werden. Um einen dann noch größeren Lebensstandart zu erlangen, muss der Bevölkerung das beigebracht werden, was im Koran nicht drin steht, ein kritischer Geist. Je höher ein Lebensstandart oder ein Entwicklungsstand eines Landes also ist, desto weniger religiös ist die Bevölkerung ( Es sei den der Wohlstand ist nur durch den Abbau von Ressourcen entstanden ).
Eine islamische Demokratie ist somit eine Staatsform, dessen Ziel es genauso wie eine liberale Demokratie zu werden ist. Außerdem ist eine islamische Demokratie eine Staatsform, die dabei ist sich selbst aufzulösen. Das Lustige ist, dass die Islamisten, wie Erdogan, die Demokratie nur als eine Art Hilfsobjekt -„Die Demokratie ist ein Zug auf den man aufspringt.“ – für das Erreichen einer islamischen Weltordnung sehen und den Westen abgrundtief hassen, dabei sind ihr Land dem Westen anzupassen. Eine islamische Demokratie ist ein implodierender Stern, an dessen Ende ein neuer, noch heller strahlender Stern stehen kann.

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Homo islamicus

Um eines vorweg zu nehmen, der Begriff „Homo islamicus“ stammt nicht von mir.

Die Welt schreibt (http://www.welt.de/politik/ausland/article13424268/Erdogan-veraendert-Tuerkei-so-tief-greifend-wie-Atatuerk.html):

„Für ihn ist der „muslimische Mensch“ dem westlichen „potenziell überlegen“. AKP-Denker schreiben auch gerne über einen neuen „Homo islamicus“ – strebsam, dynamisch, moralisch und muslimisch. „

Nun muss man erstmal etwas weiter ausholen, um zu erklären, warum Leute, die so etwas behaupten, als Vordenker und nicht als Witzfigur gelten.

In der Türkei fing so ziemlich alles mit der Staatsgründung von Atatürk an. Das Ziel der Reformen Atatürks war, die Türkei an das damals vorhandene, nationalistische und demokratische Europa anzubinden. Um dies zu erreichen, musste Atatürk die Macht des modernisierungsfeindlichen Islam beschränken und die Bildungssituation verbessern. Beides gelang ihm, weil er durch seine Siege im Unabhängigkeitskrieg als Kriegsheld galt. Die Türkei wurde laizistisch. Dabei vergaß Atatürk eines, nämlich, dass Demokratie vom Volk selbst kommen muss. Was nützt es, ein demokratisches System zu haben, in dem niemand die Grundsätze von Demokratie, Meinungsfreiheit und Wahlrecht schätzt. Diese Demokratie war von Anfang an keine richtige, denn das Militär bekam die Aufgabe des Wächters, der bei verfassungsfeindlichen Regierungen eingreift.

Was ist aus Atatürks Modernisierungsversuch nach mehreren Militärputschen übrig geblieben?
Die Türkei hat sich wieder islamisiert. Die Religionsbehörde, die die Macht des Islams begrenzen soll, tritt nun für seine Verbreitung ein. Das Militär ist weitestgehend seine Vormachtstellung los. Das alte System „der Kemalismus“, der inzwischen nur noch als Reformstopper auftrat, kommt auf den geschichtlichen Kompost. Der Kemalismus hatte sich schlichtweg nicht weiter entwickelt, man wollte ins Europa der Zwanziger-, Dreißigerjahre beitreten, nur hat sich Europa seit damals weiterentwickelt.

Nun zurück in die Gegenwart der Türkei. Erdogan hat sich einen Namen als Reformer gemacht. Außerdem hat er die alten Zöpfe des Kemalismus abgeschnitten. Er hat das Militär besiegt. Außerdem hat er sich außenpolitisch in alle möglichen Richtungen ausgestreckt. Er möchte die Türkei zur alten Stärke zurückführen.

Er steht nun aber vor dem gleichen Problem wie damals Atatürk. Dem Problem des Islam. Dies besteht hauptsächlich in der Reformunfreundlichkeit. Atatürk wollte den Islam nicht in die Moderne integrieren, er wollte ihn abschaffen.
Erdogan hingegen möchte dem Islam einen nationalistischen Anstrich verpassen. Doch wird sich der Islam so reformieren lassen? Die Meinungsfreiheit wurde inoffiziell mit der Inhaftierung der freien Presse und Regimekritiker abgeschafft.
Mit Moral und Islam lässt sich der Wahlkampf gewinnen. Wobei die Moral eigentlich immer ein zweischneidiges Schwert ist, auch wenn es besonders diejenigen, die sie gern benutzen, nicht wahr haben wollen.

Nein, der Islam wird so die Moderne nicht erreichen. Denn ohne Meinungsfreiheit wird auch der Fortschritt bald auf der Strecke bleiben. Außerdem gibt es das Konzept des Islam mit einem nationalistischen Anstrich schon (bzw. ist ein Teil von ihm), er nennt sich „Dschihad“.

(Artikel vom 2011-06-12)